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Innovation VGF

GÜTER-TRAM

Päckchen kommen auf der Schiene

Klimawandel und Mobilitätswende. Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen hat ein paar der Top-Themen der vergangenen Jahre auf der Agenda abrutschen lassen – ohne, daß die damit verbundenen Fragen befriedigende Antworten oder gar Lösungen erhalten hätten. Im Gegenteil.

Ein dringendes Problem: der Autoverkehr in unseren Städten. Besonders der zunehmende Lieferverkehr als direkte Folge des immer stärker florierenden Online-Handels, der ja – das vergißt man gerne – auch aus dem Rückversand nicht gewollter Artikel besteht. Folge: volle Straßen, Staus, Abgase, zugeparkte Rad- und Fußgängerwege.

Die VGF hat deshalb zusammen mit der Frankfurter University of Applied Sciences (UAS) und verschiedenen Paketdienstleistern getestet, wie Straßenbahnen und ihr Netz – in Frankfurt immerhin 68,67 Kilometer Betriebsstreckenlänge mit 139 Haltestellen – in solche Lieferketten integriert werden können und auf diese Art ein Teil des Lieferverkehrs von der Straße auf die Schiene gebracht werden kann.

Die Idee:

Ein zentral gelegenes Straßenbahn-Depot – in diesem Fall das mehr als 100 Jahre alte Depot in Gutleut, direkt am Hauptbahnhof und damit in der Innenstadt – zum Umschlagepunkt für Päckchen und Pakete machen, sie durch LKW der Dienstleister beliefern zu lassen, die dann aber eben nicht mehr in die Innenstadt einfahren, die Güter in eine Tram verladen, über das Schienennetz zu einem Mikro-Depot zu bringen und sie von dort z.B. per Fahrrad-Kurier schnell und umweltfreundlich an den Empfänger spedieren.

Zu lösen waren einige technische und organisatorische Fragen, außerdem waren diverse Aspekte zu beachten: die eingeschränkte Eignung „normaler“ Straßenbahnen für Gütertransport (Stichworte: Beladung nur durch die Türen, Verzurren der Container), Mischbetrieb von Gütern und Passagieren als genehmigungsrechtliche Frage, keine Behinderung des Fahrplan-Betriebs der regulären Züge, Eignung verschiedener Haltestellen im Stadtgebiet als Standorte für Mikrodepots, die von den Bahnen beliefert werden können usw.

Ergebnis: auch mit verschiedenen Einschränkungen hat der mehrtägige Probebetrieb im Jahr 2019 gezeigt, daß Straßenbahnen und ihr Netz einen nicht unerheblichen Teil der innerstädtischen Lieferkette übernehmen können. Die Leistungsfähigkeit ist vorhanden, der Test- kann in einen Regelbetrieb übergehen.

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Zurzeit prüft die VGF einen erweiterten Einsatz von Güter-Trams: Können von der Stadtbahn-Zentralwerkstatt im nordwestlichen Stadtteil Rödelheim Spezialbahnen zu den einzelnen und im Stadtgebiet verteilten Betriebshöfen fahren, um dort benötigte Güter – zum Beispiel Radreifen – auszuliefern? Hier käme ein umgebauter Arbeitszug in Frage, auch daran arbeitet die VGF schon.